7. IHK-Außenwirtschaftstag NRW | 13. September 2011 in Dortmund

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Erfolgreiche Wege zum internationalen Geschäft

Samstag, 04.02.2012

.China

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Aktuelle Entwicklungen

Südchinas Exportindustrie erwartet steigende Kosten

Quelle: www.gtai.de

Kaum scheinen die schwersten Auswirkungen der Wirtschaftskrise überwunden, schon warten auf Südchinas Exporteure neue Widrigkeiten. Diesen Eindruck bekommt man, wenn man die Entwicklung im Perlflussdelta verfolgt. Viele Branchen mussten 2009 zweistellige Umsatzverluste hinnehmen, doch zum Ende des Jahres war ein deutlicher Umschwung zu verzeichnen. Prompt reagierten die Märkte und die Regierung. Die Immobilienpreise explodieren und die Behörden kündigen höhere Mindestlöhne und Wasserpreise an. 

Infolge der internationalen Finanzkrise brachen die Umsätze der südchinesischen Exportindustrie regelrecht ein. Das Wehklagen vieler Branchen ließ jedoch vergessen, dass zugleich die Fertigungskosten, die in den letzten Jahren geradezu explodiert waren, kaum noch gestiegen sind. Unter Hinzurechnung der gefallenen Logistikkosten konnten die meisten Produzenten sogar mit einer erheblichen Entlastung kalkulieren.

Beijing stoppte die seit 2005 schrittweise erfolgte Aufwertung des Renminbi Yuan zum US-Dollar bereits zur Jahresmitte 2008 an und verschafften den Exporteuren eine Atempause. Anfang 2010 verharrt der Wechselkurs immer noch auf dem gleichen Niveau wie vor anderthalb Jahren. Auch auf fiskalischer Seite ruderte die Regierung zurück. Hatte sie zuvor für zahlreiche Exportgüter die Möglichkeit zur Rückerstattung der Mehrwertsteuer drastisch reduziert, um insbesondere das Umfeld für arbeitsintensive Lohnveredler weniger attraktiv zu machen, erhöhte sie die entsprechenden Sätze im Laufe des Jahres 2008 nahezu wieder auf Vorkrisenniveau. 

(Foto: Urosr - Fotolia)

Auch die Lohn- und Sozialgesetzgebung fiel in Zeiten der Krise sehr arbeitgeberfreundlich aus. So wurden 2009 in keiner Stadt in der südlichen Provinz Guangdong die Mindestlöhne erhöht. Die Stadtregierung Shenzhens entschloss sich sogar dazu, auch 2010 den entsprechenden Satz einzufrieren. Allerdings liegtdieser mit 1.000 Renminbi Yuan (RMB; rund 100 Euro; 1 Euro = 9,66 RMB) ohnehin schon landesweit an der Spitze. 

Im Prinzip orientierten sich die Behörden damit lediglich an den Gegebenheiten des Marktes. Viele Unternehmen hatten seit dem Sommer 2008 Personal entlassen. Wer Glück hatte, fand in einer anderen Firma Ersatz, doch die Löhne - sie liegen in der Regel merklich über den gesetzlichen Sätzen - kamen unter Druck. Sie dürften nach Angaben von Landeskennern zwischen Mitte 2008 und Ende 2009 stagniert haben beziehungsweise leicht gesunken sein. Büroangestellte mussten sogar teilweise mit einer deutlichen Reduzierung ihres Gehaltes rechnen.

Sparen konnten viele Unternehmen während der Krise auch an ihren Transport- und Logistikkosten. Schlug die Versendung eines Containers von Shenzhen oder Hongkong nach Hamburg zu Boomzeiten noch mit teilweise über 2.000 US Dollar zu Buche, brachen die Raten Ende 2008 regelrecht ein. Zwischenzeitlich mussten für einen Container nur einige Hundert US Dollar hingeblättert werden.

Seitdem sich Ende 2009 jedoch die Anzeichen für ein Ende der Krise mehren, drohen auch die Fertigungskosten wieder rasch anzusteigen. Im November vermeldete das Statistikamt Guangdongs, dass der Außenhandel der Provinz wieder das Vorkrisenniveau erreicht habe. Zwei Monate später häuften sich daraufhin die Meldungen über Pläne zur Anhebung der Wasserpreise und der Mindestlöhne sowie über rasant steigende Mieten und Grundstückspreise. 

So kündigte die Regierung in Shenzhen Anfang Januar 2010 an, die Abgaben für Frischwasser massiv anheben zu wollen. Der Preis für industrielle Kunden soll pro Kubikmeter von 0,33 Dollar auf 0,54 Dollar steigen. Damit läge die Stadt zwar immer noch im Landesdurchschnitt. Für Branchen, die im Rahmen ihrer Produktion große Mengen an Frischwasser benötigen, führt der Anstieg von über 60 % jedoch zu einer starken Belastung. 

Auch Guangzhou will im Laufe des Jahres 2010 die entsprechenden Raten erhöhen. Zudem plant die Provinzhauptstadt die Erhöhung der Mindestlöhne von 860 auf 1.000 Renminbi (RMB). Die Behörden weisen dabei auf die deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten hin. Die einheimische Bevölkerung klagt vor allem über steigende Mieten und Wohnungspreise. 

Seit dem Spätherbst 2009 führte der Zufluss von "hot money", spekulativen Geldern, zu einem rasanten Anstieg der Immobilienpreise in nahezu allen großen Städten Chinas. Besonders betroffen waren nach Aussagen von Immobilienmaklern die Metropolen im Süden. In Shenzhen sind die Wohnungspreise in bestimmten Gegenden nach Aussagen der Hongkonger Gesellschaft Centaline alleine zwischen Mitte 2008 und Anfang 2010 um 80 % gestiegen.

Auch für Bürofläche müssen die Firmen mehr bezahlen als noch zu Vorkrisenzeiten. Derselbe Trend ist auch in den Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau zu spüren. Auch die Logistikbranche wittert Morgenluft. Die Raten für den Containerversand haben sich von ihrem Tiefpunkt wieder merklich erholt, liegen allerdings noch weit entfernt von den saftigen 2007er Preisen. Die Luftfrachtsparte lässt derweil die Krise wesentlich schneller hinter sich. Seit November herrscht nach Angaben der großen Carrier wieder "Normalniveau". Die großen Einzelhändler in den USA und Europa füllen ihre Lager auf. Da diese teilweise schon komplett geleert sind, ist große Eile geboten. Entsprechend sind die Frachtflugraten kräftig gestiegen.

Roland Rhode / gtai